Am 14. Juni 2026 stimmt Dietikon über den privaten Gestaltungsplan Post-/Zürcherstrasse ab. Die im September 2025 vom Forschungsinstitut Sotomo im Auftrag der Zürcher Handelskammer publizierte Studie «Wohnraum für Zürich und die Schweiz» liefert eine empirische Grundlage, die viele Mythen der Debatte widerlegt – und klar aufzeigt, warum ein Ja zum ZüPo in unserer Region besonders sinnvoll ist.
Die Studie untersucht Bevölkerungs- und Wohnbaudynamik in den sechs grossstädtischen Agglomerationen der Schweiz – darunter auch die sieben Arbeitsmarktregionen der Agglomeration Zürich. Dietikon-Schlieren ist eine davon. Auf Basis der Vollerhebungsdaten des Bundesamts für Statistik zeigen die Autorinnen und Autoren, was Neubau in der Agglomeration Zürich tatsächlich bewirkt.
1. Zürich wächst schneller, als neuer Wohnraum entsteht
Zürich ist die einzige grossstädtische Agglomeration der Schweiz, in der die Bevölkerung schneller zunimmt als der Wohnungsbestand. Das ist der Kern des Problems. Der Bevölkerungsdruck wird bei zu wenig neuen Wohnungen auf die bestehenden abgewälzt – die Folge sind steigende Preise bei freiwerdenden Wohnungen und junge Erwachsene, die länger bei den Eltern wohnen müssen.
Genau hier setzt der ZüPo Post-/Zürcherstrasse an: 48 neue Wohnungen in bester ÖV-Lage, zusammen mit Gewerbe im Erdgeschoss und über 25 Prozent öffentlichem Stadtraum. Wer den ZüPo ablehnt, nimmt in Kauf, dass der Druck auf den Dietiker Wohnungsmarkt weiter steigt.
2. Ohne Neubau keine Wohnungen für junge Erwachsene und Familien
Die vielleicht wichtigste Erkenntnis der Studie: Junge Erwachsene und Familien machen fast zwei Drittel aller Umziehenden in der Agglomeration Zürich aus – obwohl sie nur ein Drittel der Bestandshaushalte stellen. Junge dominieren das Umzugsgeschehen, ältere Personen bleiben dagegen meist in ihren Wohnungen.
Sotomo formuliert es unmissverständlich: «Solange die Bevölkerung wächst, finden jüngere Menschen nur durch die Ausweitung des Angebots Wohnraum in der Agglomeration. Gibt es zu wenig freie Wohnungen, werden junge Erwachsene und Familien als erste verdrängt. Ohne Wohnraum gibt es auch keinen bezahlbaren Wohnraum.»
Übersetzt auf den ZüPo heisst das: Ein Nein am 14. Juni trifft genau jene Menschen, die das Referendumskomitee angeblich schützen will – die jungen Familien, die in Dietikon bleiben wollen, und die jungen Erwachsenen, die eine erste eigene Wohnung suchen.
3. Neubau ist für Ansässige – nicht für «Expats»
Ein häufiges Argument gegen Neubau lautet, neue Wohnungen würden ohnehin nur an Zuzügerinnen und Zuzüger aus dem Ausland gehen. Die Zahlen widerlegen das eindrücklich:
- 80 Prozent der Zuziehenden in Neubauwohnungen in der Agglomeration Zürich haben vorher schon in der Agglomeration gewohnt.
- Nur 8 Prozent kommen direkt aus dem Ausland.
- Drei Viertel der Zuziehenden in Neubauten leben bereits länger als zehn Jahre in der Schweiz.
- Personen mit Schweizerpass sind in Neubauten deutlich übervertreten.
Der Grund ist einfach: Neubauprojekte werden frühzeitig vermarktet, brauchen langfristige Planung und setzen Marktkenntnisse voraus. Diese Voraussetzungen erfüllen Ansässige besser als Neuzuzügerinnen und Neuzuzüger. Per Saldo profitieren von Neubau also hauptsächlich Schweizerinnen und Schweizer – sowie Personen, die schon lange hier leben.
4. Umzugsketten: Pro neue Wohnung finden zwei weitere Menschen ein Zuhause
Weil Neubauwohnungen vor allem von Menschen aus der Nachbarschaft bezogen werden, setzt jeder Neubau eine Umzugskette in Gang. Wer in den Neubau zieht, gibt seine bisherige Wohnung frei – und in diese zieht wieder jemand aus der Umgebung.
Das Ergebnis: Pro Person, die in eine Neubauwohnung zieht, finden zwei weitere Personen eine Wohnung in der Region. Die 48 Wohnungen des ZüPo bedeuten damit nicht nur 48 Haushalte mit neuem Zuhause – sondern rund 100 weitere Haushalte, die in freiwerdende Bestandswohnungen nachrücken können.
5. Neubau treibt die Nachbarschaftsmieten nicht in die Höhe
Ein verbreiteter Einwand gegen Grossprojekte lautet, sie würden die Mieten im umliegenden Bestand hochtreiben. Sotomo hat das empirisch untersucht – und widerlegt: In der unmittelbaren Umgebung (500 Meter) grosser Neubauprojekte mit über 100 Wohnungen stieg der mittlere Quadratmeterpreis im Bestand zwischen 2016/18 und 2021/23 von 227 auf 240 Franken. In den Referenzregionen 1000 bis 1500 Meter weiter weg stieg er im selben Zeitraum von 223 auf 238 Franken – also stärker.
Klar formuliert: «In der Umgebung von Neubauarealen entsteht offenbar kein zusätzlicher Druck auf die Mietpreise im Bestand.» Die Gentrifizierungsängste, die gegen den ZüPo ins Feld geführt werden, halten der empirischen Prüfung nicht stand.
6. Verdrängung entsteht vor allem durch fehlenden Neubau
Leerkündigungen spielen in der öffentlichen Debatte eine grosse Rolle – statistisch sind sie marginal. 99 Prozent aller Umzüge in der Agglomeration Zürich gehen nicht auf Leerkündigungen zurück. Und selbst bei Leerkündigungen finden 84 Prozent der Betroffenen wieder eine Wohnung in derselben Gemeinde oder Agglomeration.
Die eigentliche Verdrängung spielt sich im Stillen ab: Sie trifft junge Paare, die aus dem Elternhaus ausziehen möchten und keine Wohnung finden. Sie trifft Familien, die mehr Platz brauchen und aus Dietikon wegziehen müssen, weil nichts frei ist. Jede Wohnung, die nicht gebaut wird, ist eine Verdrängung – nur bleibt sie unsichtbar.
7. Dietikon-Schlieren: Wo Neubau besonders effizient ist
Die Sotomo-Studie analysiert die sieben Arbeitsmarktregionen der Agglomeration Zürich separat – und das Limmattal sticht positiv hervor. In Dietikon-Schlieren entstehen pro abgerissener Wohnung 4,0 neue Wohnungen, die Wohnfläche vervielfacht sich um den Faktor 4,5. Das ist weit effizienter als in der Stadt Zürich (2,3 Wohnungen) oder am rechten Zürichseeufer (2,2 Wohnungen).
Der ZüPo passt exakt in dieses Muster: Auf einer bereits überbauten Fläche entstehen substanziell mehr Wohnungen, als sie heute bietet. Genau das ist die Art von Innenentwicklung, die Kanton und Bund fordern und die der Zersiedelung entgegenwirkt.
Fazit: Ein Ja zum ZüPo ist ein Ja zu den Jungen, den Familien und den Ansässigen
Die Sotomo-Studie räumt mit drei Mythen auf, die in der Debatte um den ZüPo immer wieder auftauchen:
- Mythos: «Neubau ist nur für Reiche aus dem Ausland.» – Falsch. 80 Prozent der Zuziehenden kommen aus der Agglomeration, drei Viertel leben länger als zehn Jahre in der Schweiz.
- Mythos: «Neubau treibt die Mieten in der Nachbarschaft hoch.» – Falsch. Die Mietentwicklung rund um Grossprojekte ist sogar leicht unterdurchschnittlich.
- Mythos: «Neubau führt zu Verdrängung.» – Falsch. Verdrängung entsteht durch fehlenden Neubau. Junge Familien werden unsichtbar verdrängt, wenn nichts frei wird.
Hinter dem ZüPo steht ein breites Komitee von 25 Gemeinderatsmitgliedern aus sechs Parteien – SVP, Die Mitte, FDP, GLP, Grüne Dietikon und EVP. Diese parteiübergreifende Breite ist kein Zufall: Sie spiegelt die sachliche Vernunft wider, die auch die Sotomo-Studie empirisch bestätigt.
Am 14. Juni 2026 geht es um eine einfache Frage: Wollen wir in Dietikon Wohnraum für die nächste Generation schaffen – oder nicht? Die Daten geben eine klare Antwort. Die Studie ist hier öffentlich zugänglich: Sotomo-Wohnraumstudie (PDF).

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